Beschreibung
Ernst Niekisch (1889–1967) war 1919 Vorsitzender des Zentralrates der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte Bayerns, der sich als politischer Denker von der extremen Linken zum Visionär eines deutschen Nationalismus entwickelte. Als kompromißloser und radikaler Vertreter einer antiwestlichen, prorussischen deutschen Politik erkannte er frühzeitig den verhängnisvollen Weg Hitlers, der Deutschland in den machtpolitischen Untergang führen mußte. Niekisch gründete 1926 die in allen politischen Lagern vieldiskutierte Zeitschrift „Widerstand“. Diese von Niekisch bis zum Verbot 1934 herausgegebene Monatsschrift, die auch Ernst Jünger und A.Paul Weber zu ihren Mitarbeitern zählte, wurde zum intellektuellen Sprachrohr des linksnationalen Widerstandes gegen das NS-System.
Niekisch wurde 1937 verhaftet und 1939 vom Volksgerichtshof zu einer lebenslangen Zuchthaustrafe verurteilt. Warum dieser Nationalist und zugleich Antifaschist mit Hitlers Nationalsozialismus kollidieren mußte und auch heute noch Interesse verdient, geht aus diesem Buch hervor.
Armin Mohler schrieb über diese Arbeit, die ursprünglich eine „Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg“ war und mit „magna cum laude“ bewertet wurde:
„Im vorliegenden Buch wird sichtbar, dass Sauermann sich mit einer Intensität, Ausdauer und Exaktheit in den Komplex Niekisch hineingearbeitet hat, die bisher noch kein anderer in dieses Thema investierte. Er hat die Wirkung Niekischs bis in die entlegensten Zeitschriften und politischen Gruppierungen hineinverfolgt – und das, ohne die großen Linien aus dem Auge zu verlieren, und mit einer erfreulichen Sicherheit in der Beurteilung von Personen und Situationen. Ich habe mich seit meiner Jugend mit Niekisch befaßt und hielt mich immer für einen ganz guten Kenner dieses Mannes. Bei der Lektüre dieses Buches habe ich nicht nur viel hinzugelernt, sondern musste auch einige liebgewordene Meinungen über Niekisch auf Grund von Sauermanns Beweisführung aufgeben oder doch zumindest nuancieren. Das vorliegende Buch von Uwe Sauermann zeigt, daß man auch über sehr nahe und kontroverse Zeitgeschichte wissenschaftlich zu arbeiten vermag, wenn man, bei aller Engagiertheit, die eigenen Vorurteile zurückstellt und die Geduld aufbringt, sich auch um geschichtliche Vorgänge in ihrer Einzigartigkeit und steten Andersartigkeit kümmert.“
Sebastian Haffner bezeichnete Niekisch 1980 als „letzten großen Preußen“ und den „wirklichen Gegenspieler Hitlers“ und meinte: „der wahre Theoretiker der Weltrevolution (gemeint ist eine antiimperialistische, antikolonialistische), die heute im Gange ist, ist nicht Marx und nicht einmal Lenin. Es ist Niekisch.“
Der Autor
Uwe Sauermann studierte in München und Augsburg Politische Wissenschaften, Neueste Geschichte und Völkerrecht. Seine Dissertation ist die hier vorliegende Schrift. Obwohl es danach mehrere Veröffentlichungen zu Niekisch gab, ist Sauermanns Werk bis heute die materialreichste und gelungenste Analyse von Ernst Niekischs Zeitschrift „Widerstand“. Uwe Sauermann war später für das öffentlich-rechtliche Fernsehen tätig. Er war schon vor dem Ende der DDR Korrespondent in Ost-Berlin und Leipzig, produzierte zeitgeschichtliche Filme und berichtete danach für die ARD u. a. aus Indien, Irak und Afghanistan. Er lebt heute in Berlin.














Bewertungen
Es gibt noch keine Bewertungen.